Bettina Maschke und Roland Funk vertraten die Freien Wähler beim Erstwähler-Podium.
(Artikel Geislinger Zeitung)
Es hätten mehr sein dürfen: Beim Podium „Spotlight on Politics“ für die Geislinger Erstwähler war noch viel Platz für Gäste. Immerhin bot die Veranstaltung einen guten Einblick in die Themen des jungen Geislingen.

Autor JOCHEN WEIS | 17.05.2014

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Bettina Maschke und Roland Funk gut gelaunt in der Diskussionsrunde beim Erstwähler-Podium „Spotlights on Politics“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stell dir vor: Es ist Kommunalwahl – und keiner geht hin.

Wer beim Podium „Spotlight on Politics“ in der Geislinger Rätsche in die Runde schaute, dem konnte schon bange werden.

Speziell für die Zielgruppe Erstwähler – immerhin rund 2000 in der Fünftälerstadt – hatte die Arbeitsgruppe „Geislingen wählt ab 16“ am Donnerstag das Podium initiiert.

Die Zielgruppe aber war ähnlich schwer auszumachen wie eine Murmeltierfamilie im Gebirge.

Nur rund 30 Besucher fielen unters Prädikat jung oder jugendlich, noch einmal so viele gehörten der älteren Generation an – vornehmlich den Listen, die im Wettstreit um die Sitze im Gemeinderat in der Wahl am 25. Mai antreten.

So bekamen immerhin nicht nur die Listenvertreter auf dem Podium – in der Rätsche waren das sechs Stehtische – geballt die Themen mit, die das junge Geislingen bewegen.

Die gab es übrigens auch an mehreren Stellwänden zu lesen – vollgepinnt mit Fragen, die die Arbeitsgruppe während ihrer laufenden Schulbesuche bislang gesammelt hat.

Die Einstiegsfrage, gerichtet an die Jungen unter den Bewerbern am Stehtisch-Podium: Warum kandidieren Sie für den Gemeinderat?

Da gab es Einigkeit über alle Listengrenzen hin: Der Wille zum Mitgestalten. „Es gibt viele, die nur meckern und mosern. Ich gehöre zu denen, die machen“, meinte etwa CDU-Kandidat Kai Steffen Meier.

Zu tun gibt es aus Sicht der jungen Geislinger einiges. Ganz vorn in der Hitliste: Der Wunsch nach mehr Stätten für Freizeitmöglichkeiten, allen voran nach einem Kunstrasenplatz für die Öffentlichkeit oder Bolzplätzen.

Ebenso beschäftigt Geislingens Jugend die Frage, wann die alte Schwimmbad-Turnhalle beim HeGy auf Vordermann gebracht wird oder eine neue Halle gebaut wird.

Was den Jungen im Auditorium schnell ein Aha-Erlebnis bescherte: Kommunalpolitik ist oft eine Frage der Sachzwänge und des Geldes.

Beispiel Kunstrasenplatz: Einen solchen gibt es nun am Mittleren Boden.

Der ist aber für die Sportvereine vorgesehen und nur eine mittelfristige Option für die Öffentlichkeit – dann, wenn „Vandalismus ausgeschlossen werden könnte“, wie Holger Schrag (Linke) betonte.

Beispiel Halle: Da machte Jürgen Peters (SPD) mit Nachdruck klar, dass es in der Kommunalpolitik ein Gebot der Fairness gibt, alle Interessen gleich zu werten. Der Bedarf nach einer neuen Halle sei da, „aber erst sind die dran, die keine haben und – wie die Aufhausener – schon seit Jahren dafür kämpfen.“

Dass Kommunalpolitik die Möglichkeit bietet, mal „quer zu denken“, wie es Bettina Maschke (Freie Wähler) nannte, wurde beim Thema Hallenneubau ebenso deutlich: In Zeiten des demografischen Wandels mit sinkenden Schülerzahlen müsse man mal darüber nachdenken, Schulen zusammenzulegen, also auch die beiden Geislinger Gymnasien.

Was – je nach Lösung – viel frei werdenden Platz oder aber großen Platzbedarf beim HeGy bedeuten würde.

Für Bernhard Lehle (GAL) eine Option: Schauen, wie man das Gelände insgesamt attraktiver machen könnte, „zum Beispiel mit einem Kino“ – letzteres eins der weiteren Themen, das Geislingens Jugend ebenso umtreibt wie ein unattraktiver ÖPNV, der nicht barrierefreie Bahnhof, ein fehlendes freies WLAN oder so vermeintlich lapidare Dinge wie zu wenig Information im Schulunterricht zum Thema Kommunalpolitik.

Und diese – so der Tenor der Podiumsrunde – bietet abseits des Gemeinderats ebenso die Möglichkeit sich zu engagieren.

Da war zuvor Kritik am schlecht empfundenen Freizeitangebot in der Stadt laut geworden, dass nichts los sei und das Jugendhaus Maikäferhäusle (das viele Jugendliche gern saniert sähen) nicht gerade chillig.

Kadir Güney (Junge Wähler): „Wir können doch nicht immer nur verlangen, wir müssen selbst mit anpacken. Da können wir doch zum Beispiel die Handwerker unterstützen.“

Weshalb sich das Interesse an „Spotlight on Politics“ arg in Grenzen gehalten hatte, ob Desinteresse oder schulische Belastung (es laufen gerade Abschlussprüfungen) die Ursache waren, darüber vermochte Stadtjugendpflegerin Heike Eigenbrodt als Mitmoderatorin und Kopf der Organisation nur zu spekulieren.

„Wir merken immer wieder, dass viele Jugendliche gar nicht wissen, dass sie erstmals schon ab 16 wählen dürfen.

Wir hätten gerne mehr da gehabt. Aber immerhin ist es ein Anfang.“


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    • 27.05.2019
    Kommunalwahl 2019 | Freie Wähler wählen